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Wenn Ehrenamtliche ehrenamtlich Ehrenamtliche vertreten, heißt das bei der TelefonSeelsorge BETS – Die Vertretung ist 20 Jahre alt.

Nur zwei Personen sitzen bei unserem Interview auf dem Sofa und doch vereinen sie insgesamt 67 Jahre TelefonSeelsorge. Die zusätzliche Ehrenamtsarbeit der TelefonSeelsorge scheint eine Verjüngungskur zu sein, denn Barbara Rode und Irene Böttcher strahlen mit der winterlichen Sonne um die Wette.

Die beiden Damen freuen sich mit Recht, denn das, was sie aufgebaut und weitergeführt haben, feiert heute Jubiläum. Vor 20 Jahren nämlich wurde die Bundesvertretung der Ehrenamtlichen in Deutschland für die TelefonSeelsorge und Offene Tür, kurz BETS, gegründet.

BETS ist sozusagen das ehrenamtliche Pendant zum hauptamtlichen ´TelefonSeelsorge-Vorstand. Die Hauptaufgabe von BETS besteht darin, die spezifische Sicht der Ehrenamtlichen in die Struktur der TelefonSeelsorge einfließen zu lassen. Das ist nicht immer bequem, aber bereichernd und für Verbesserungen müssen die Wege auch schon mal schwieriger sein. Darüber hinaus soll der Austausch zwischen den ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der TelefonSeelsorge dank BETS möglich gemacht werden.

Die Mitglieder von BETS sind gewählt, wie Rode und Böttcher, die beide lange Jahre Sprecherinnen von BETS waren. Die Kandidaten für das Amt kommen aus den sieben Regionen Deutschlands, in denen die Ehrenamtlichen jeweils ihre eigene Vertretung (ein Forum) haben. So kann gesichert werden, dass jede Region eine Stimme bekommt.

Im Gespräch sind die beiden sehr bescheiden und es wirkt fast so, als sei es das Normalste der Welt, das halbe Leben im Dienste des Ehrenamts zu verbringen, Nächte um die Ohren zu schlagen, das Privatleben einzuschränken und sich über das Maß des „normalen Seelsorgedienstes“ auch noch um die Belange auf Bundesebene zu kümmern. So unprätentiös zeigt sich dann auch die Motivation, die sie überhaupt in das Ehrenamt der TelefonSeelsorge gebracht hat.

Barbara Rode, aktuell Supervisorin in zwei TelefonSeelsorge-Stellen und bis 2009 erste Sprecherin von BETS, ist eigentlich nur zur TelefonSeelsorge gekommen, weil jemand sie „dorthin mitgenommen“ hat. Als ihr die ehrenamtliche Arbeit gut gefiel, blieb sie. Rode, die das politische BETS mit aufgebaut hat, wollte immer etwas verbessern folgt dem Grundgedanken, dass immer dann das Beste für die TelefonSeelsorge und die Ratsuchenden dabei herauskommt, wenn sich Stellenleitungen, Ehrenamtliche und Träger gemeinsam an einen Tisch setzen. Die Expertise in die Entscheidungswege mit einzubringen, hat sie geschafft.

Irene Böttcher wollte immer schon für andere da sein und nach einer Zeit in der Gemeindepflege suchte sie eine Aufgabe, bei der sie sich besser abgrenzen konnte. Das war 1990 und seither ist sie in ihrer Freizeit eine von der TelefonSeelsorge. Offenbar hat die Abgrenzung geklappt. Wie sonst wäre zu erklären, dass sie neun Jahre Sprecherin war, das Jubiläumsfest allein organisiert und vorbereitet hat und trotz all der Mühe so zufrieden und herzlich aussieht?

Mehr als 30 Gäste durften für zwei Tage die gemeinsamen Erfolge von BETS feiern und dabei ein umfangreiches Programm genießen, an einem ökumenischen Gottesdienst mit Regionalbischof Dr. Hans-Martin Weiss (ev. Kirchenkreis Regensburg) und Domkapitular Thomas Pinzer (Bistum Regensburg) teilnehmen und abends in geselliger Runde beisammensitzen.

Der komfortable Rahmen in einem Tagungshotel war zu Beginn von BETS lange nicht denkbar. „Wir wollten viel, mussten aber erst gucken wie es geht“, so Barbara Rode. Dabei gab es viel Unterstützung aus den Stellen, ein großes „Getragensein“ war zu spüren. Wie immer in sozialen Kontexten fehlte es auch hier an finanziellen Mitteln und so wurden die Treffen möglich, weil in der austragenden Stelle jemand Suppe machte, andere den anreisenden Gästen ihre Schlafcouch oder das Gästezimmer zur Verfügung stellten. Für letztere ist damals der herzliche Begriff „Schlummermutter“ entstanden, der Rode und Böttcher ein Glänzen in die Augen bringt. Der Pioniergeist der Anfänge ist in dem Moment greifbar.

Inzwischen hat sich vieles geändert. BETS ist bundesweit aktiv und anerkannt. So werden heute immerhin die Kosten für Anreise und Übernachtungen durch die Stellen getragen. Darüber hinaus ist BETS im Handbuch der TelefonSeelsorge fest verankert und sogar international Vorreiter für eine solche Form der Ehrenamtsvertretung. Dennoch wird BETS damit nicht überflüssig, sondern ist nach wie vor ein wichtiger Bestandteil für eine übergreifende Kommunikation innerhalb der TelefonSeelsorge. Auf die nächsten 20 Jahre!